Tierarztpraxis Creußen
Dr. Michael Wolf
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Ihr Praxisteam.

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Tierisch menschlich - Geschichten von Andrea Pfaucht

Liebe Tierhalter/-innen,

Tierarztbesuche sind definitiv nicht immer gerade das, worauf man sich freut wie aufs Christkind, aber auch nicht immer ganz schlimm. Neben Routine- und Notfallkontakten gibt es auch immer wieder angenehme oder gar lustige Begebenheiten.

Und dann wird es TIERISCH MENSCHLICH.

Eigentlich viel zu schade, um all das unter den (Behandlungs-) Tisch fallen zu lassen, und deshalb gibt es künftig in lockerer Reihenfolge Lustiges, Kurioses oder auch mal Dinge zum Nachdenken in unserer neuen Kolumne.
Da nicht immer nur das Pferd als solches wiehert, sondern meist auch der Amtsschimmel, auch genannt Datenschutz, sind die meisten Namen und Rassen in den Geschichten etwas verfremdet, beruhen aber immer auf einer wahren Begebenheit. Mit einer Ausnahme: Das, was aus dem eigenen Erlebnisschatz von Andrea Pfaucht kommt, ist immer pur und unverfälscht, sei es auch noch so schräg…

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und hoffen, dass damit auch ein wenig die Angst vor den Untersuchungen genommen werden kann.

In diesem Sinne, liebe Zwei- und Vierbeiner: Bleibt alle gesund!

Ihr Praxisteam

Backe, backe, Hundekuchen

Lucy. Klein, dünn, ängstlich. Ein winziges transsilvanisches Tierchen, gerettet aus einer rumänischen Tötungsstation. Jetzt ist sie bei mir eingezogen…
Hätte mir vor einem halben Jahr jemand gesagt, dass es Hunde gibt, die nicht fressen wollen, ich hätte ihn als Ignoranten und Nichthundemensch ins Reich der Märchen und Sagen verbannt.

Lucy lehrte mich eines Besseren!

Dosenfutter? „Ach herrje, das ist bestimmt giftig, unverdaulich oder zumindest schädlich.“
Trockenfutter? „Au weia. Was ist das denn? Kann man das wirklich essen? Magenkrämpfe sind mir da bestimmt sicher.“
Sündhaft teures High-Premium-Sterne-Super-Hunde-Menü? „Hm, riecht gut, verführerisch. Ich würde ja gerne, traue mich aber nicht.“
Leckerchen? „Bleib mir bloß vom Leib!“
Hühnchen? Selbstgekocht? Mit Nudeln? „Könnte man ja vielleicht mal wagen…“

Lucys Frauchen ist definitiv alles andere als eine begnadete Hausfrau, aber wenn es um das Wohl des Wauzis geht, kann sie sich ja mal als Kaniden-Köchin versuchen…
„Frisst nicht, gibt’s nicht“ und „Sitz! Platz! Plätzchen!“ – so die Titel der Hundekochbücher – sollen Neues in den Napf bringen und den Suppen- bzw. Futterkasper zum Gourmet erziehen.
Leberwurst wird ganz gerne genommen, also was liegt näher, als Leberkekse zu backen?
Zumal man lediglich Geflügelleber, Dinkelmehl, Buttermilch und Sonnenblumenöl auf die Einkaufsliste setzen muss. Kann ja nicht so schwer sein.

Also ab zum Metzger. „Geflügelleeeber? Nööö, hammwer nich! " Zum Glück gibt’s welche im Supermarkt. Tiefgefroren. 250 g sind nötig für die Kekse, 500 g sind in der Packung. Was soll’s. Gibt’s halt auf dem Familienspeiseplan Leber. Die mag außer dem Hund zwar nur das Frauchen, aber egal.

So. Auf geht’s.

Schritt eins: Leber auftauen. Geht zwar relativ schnell, aber in der Küche sieht es aus, als hätte das vielzitierte Kettensägenmassaker stattgefunden. Ziemlich blutige Angelegenheit. Na, macht nix. Dank Corona kann ja niemand in die Wohnung und der Besuch von Staatsanwalt und Kripo bleibt mir somit erspart.

Schritt zwei: Die Leber sehr fein zerkleinern. Mit dem Fleischwolf. So ein Ding hat die Superköchin zwar nicht, aber immerhin findet sich ein Stabmixer. Leber in die Schüssel, Stabmixer an und fertig ist das Schlachthausambiente. Sieht aus wie feinpürierte Leichenteile eines Vollblutvampirs. Muss man mögen…

Schritt drei: Sonnenblumenöl und Buttermilch dazu. Puh. Die Purpurpampe verfärbt sich in ein etwas geschmeidigeres Rosa. Fehlt nur noch das Dinkelmehl. Hm, wie Plätzchenteig sieht das irgendwie nicht aus. Erinnert eher an Kinderknete aus Grundschultagen. Wie auch immer, nach der Kühlschrankruhe werden sich die Plätzchen mit den hübschen Hundeförmchen schon ausstechen lassen.

Förmchen

Schritt vier: Unterlage bemehlen, Teig ausrollen und Plätzchen ausstechen. Dem Himmel sei Dank, dass ich das Ganze nicht auf dem eigentlich perfekt dafür geeigneten Marmortisch in Angriff genommen habe, sondern in weiser Voraussicht Backpapier ausgepackt habe.

Von wegen ausrollen.

Die Pampe pappt patzig am Nudelholz und macht nicht die geringsten Anstalten, sich auf das Papier zu schmiegen. Zu wenig Mehl? Na gut, dann halt mal mehr davon und den Teig von der Rolle holen.
Denkste! Das Zeug klebt wie Pattex, man könnte es alternativ auch als schnellfestigenden Mörtel zum raschen Hochziehen von Neubauten verwenden. Die Mauern sind damit definitiv für die kommenden Generationen erdbebensicher.
Meine Hände sehen aus, als hätte ich eine Operation am offenen Herzen ohne Skalpell durchgeführt.
Irgendwie gelingt es mir dann doch noch, die Masse zu einer glatten Fläche zu verarbeiten. Her mit den Ausstechförmchen! Harr harr! Plätzchen ausstechen. Sehr lustig! Förmchen rein in den Teig und schon hebt sich die mühevoll ausgerollte Fläche trichterförmig am Ausstecher klebend in die Höhe. Backpapier inklusive.

Plan B muss her, die Pampe aufs Blech. Bloß wie? Mittlerweile hat sich Backpapier Nummer eins fest und liebevoll mit der Vampirknetpampe vereinigt und macht wenig Anstalten, sich trennen zu wollen.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass diesen Gestank selbst mein Wauzi, das sonst jedem noch so widerlichen Hundehaufen wohlwollend zugetan ist, nicht mag?

Stunden später… Der Rücken schmerzt, die Nase rebelliert, aber der Superkleber ist auf dem Blech. Ab in den Herd, backen wir das Zeug halt im Ganzen.
Blöde Idee! Sehr, sehr blöde Idee!

Hundehalter sind ja von Haus aus Kummer gewohnt. Güllefelder, Durchfallflatschen, frischer Pansen, Ochsenziemer – alles, was Otto Normalverbraucher Würgereflexe verursacht, stecken Kanidenfreunde locker als Minimalausdünstung weg.

Lucy mit Maske

Was aber Leberkeksteig im Herd anstellt, spottet jeder Beschreibung. Die Küche ist verqualmt – wieso lässt eigentlich der Rauchmelder nichts von sich hören -, Lucy hat sich in ihre Box verzogen, versteckt die Nase unter Kissen und Frauchen hofft inständig, dass sie erst in Ohnmacht fällt, wenn der Ehemann nach Hause kommt und den Rettungsdienst alarmieren kann.
Irgendwann ist die Backzeit dann doch abgelaufen, die Ofentüre geht auf. Aha. Soso. Sehr erfolgreiches Unterfangen. Ich wusste gar nicht, dass das Herstellen von Grillkohle so geruchsintensiv ist…

Grillkohle

Selbst mein Mülleimer wendet sich mit Grausen ab, als ich den Leberkoks darin versenke.

Drei Tage später…

Nach mehreren mit viel Zwiebel und Käse zubereiteten Gerichten kann man die Küche wieder ohne Atemmaske betreten.
Lucy bleibt eisern bei Hühnchen mit Nudeln…

Lucy mit Kochmütze